Rudolph Garrels (1675 - 1750)
Orgelbouwer
Am 9. Mai vor 243 Jahren starb Rudolph Garrels, Holzschnitzer und Orgelbauer aus Norden. In den Niederlanden legen noch zahlreiche Orlgelwerke Zeugnis von seinem handwerklichen Können ab. Christof Stöver stöberte in Archiven und Chroniken, um mehr über das leben und Wirken des Künstlers zu erfahren.
Daß
die Kanzel in der Ludgerikirche zu Norden ein Werk des Holzschnitzers Rudolph (Redelph)
Garrel(t)s ist, ist den Einheimischen und Liebhabern sakraler Kunst bekannt. Daß
Garrels jedoch auch Orgeln baute, ist hierzulande in Vergessenheit geraten.
Nicht so in den Niederlanden, wo heute noch zahlreiche Orgeln des Norders zu
finden sind. Bevor wir uns seinem Lebenslauf und Werk zuwenden, noch eine
Bemerkung zur Schreibweise seines Namens: In den Niederlanden unterschrieb der
vielseitige Künstler Urkunden vielfach mit "Rudolph Garrels", deshalb
soll im folgenden diese Schreibweise beibehalten werden.
Garrels wurde in Norden geboren und am 25. März
1675 in der Norder Ludgerikirche getauft. Sein Vater war der am 7. Mai 1669 aus
Osteel zugezogene Bierbrauer Garrelt Harrings, sei- ne Mutter hieß Eske (Elsche,
Eelsche) Christoffers. Er wuchs zusammen mit seinen
Geschwistern Gretchen (Gertchen), geboren 1670, Geelke, geboren 1673, end
Aeltjen, geboren 1677, auf, wo allerdings die Familie in Norden gewohnt hat, ist
nicht feststellbar.
Garrels heiratete am 27. April 1727 -über 50 Jahre
alt- die in Delft geborene Jannetje van de Vijver. Sie wohnten in einem kleinen
Nebenhaus des "Sacraments Gasthuis" in 's Gravenhage (Den Haag,
Niederlande) als sogenannte „commersalen“ (Kostgänger). Am
9. Mai jährt sich der Todestag Rudolph Garrels: Er starb im Jahre 1750. Im Sterbeeintrag wird er als
„beeldsneijder“ und „orgelbouwer“ (Holzbildhauer und
Orgelbauer) bezeichnet. In seinem Testament bestimmte er für die Kinder seiner
Schwester, Geelke Garrelts und Heere Jeltens, wohnhaft in Funnixsiel, ein Legat
von 600 Gulden. Wo Garrels begraben wurde, ist leider nicht bekannt.
Als
im ersten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts die Erstellung einer neuen Kanzel für
die Ludgerikirche geplant wurde -die Vorgängerin der jetzigen steht übrigens
in Ardorf, Kreis Wittmund- holte man im Februar 1709 von den Künstlern R.
Garrels aus Hamburg und Johann Meents (Ments) aus Bremen Entwürfe ein, die
jedoch beide nicht die Zustimmung des Kirchenvorstandes fanden. Im September des
Jahres war der Bildhauer Pfeiffer (Aurich) in Norden tätig, aber auch er wurde
abschlägig beschieden, und Johann Meents erhielt dann doch den Zuschlag. Durch
den frühen Tod des Meisters konnte dieser den Auftrag aber nicht mehr erfüllen.
Auch ein Kontrakt mit Johan van Renen zum
Kanzelneubau wurde nicht erfüllt, und so kam es letztlich am 31. Dezember 1711
zum „Contract“ mit dem „Meister Redeleff Garrels“ aus
Hamburg. Er erhielt für die Lieferung der Materialien und einer guten Arbeit
innerhalb von sieben Monaten eine Vorabzahlung von Eintausend Holländischen
Gulden, "so nach dem alsdann gängigen Agio anzurechenen'. Die
Abrechnungssumme betrug am 27. Dezember 1712 1539 Gulden, sie wurde in Hamburger
Münze bezahlt.
Durch die Vorauszahlung waren die Mittel des für
den Neubau bestimmten Legats aufgezehrt, und so wurden auf Anordnung des
Stadtsecretairs Lambertus Voß mehrere Kollektenbücher ausgestellt, um die
Restsumme zur Verfügung zu haben, damit nicht durch neue Schulden die Last der
Kirche erhöht würde. Die Bürger der Stadt wurden ermahnt, sich „freygibig
zu erzeigen“. Bis zum Ende des Jahres 1712 wurden in der Stadt und den
umliegenden Mar- schen 1247 Gulden, 5 Schaf und 7½
Witt
gesammelt.
Trotz Terminüberschreitung war man wohl mit dem
Werk Garrels zufrieden, denn man überreichte ihm ein Geschenk von 70 Gulden,
als er in der Weihnachtszeit 1712 in seiner Heimatstadt weilte. Die kurzfristige
Erstellung der Kanzel läßt darauf schließen, daß Garrels zwar als
Unternehmer auftrat aber als solcher Zulieferer gehabt haben wird.
Vergleiche
mit den Werken des Groninger Holzbildhauers Jan de Rijk in Uithuizen,
Uithuizermeeden und Midwolde in den Niederlanden zeigen viele Übereinstimmungen
auf, so daß anzunehmen ist, daß dieser bekannte Groninger Künstler mit
Garrels zusammen gearbeitet hat.
Jan de Rijk wurde am 5. August 1661 in der
“Gereformeerde Gemeente” in Enkhuizen getauft. Er wohnte später in Amsterdam und war dort Mitglied der
Lucasgilde, in der die Bildschneider verenigt waren. 1693 wurde de Rijk für
Arbeiten an der Orgel der Kirche vom Heiligen Geist Gasthaus in Groningen
bezahlt. Arp Schnitger, in dessen Werkstatt Garrels arbeitete, hatte an dieser
Orgel 1692 gearbeitet, so daß die Vermutung naheliegt, daß Garrels -hier schon
die Bekanntschaft mit de Rijk machte. 1692/93 verzog de Rijk nach Groningen, wo
er 1738 starb.
Vielfältig sind die Arbeiten de Rijk's an
Orgelprospekten, sogenannten “Herrenbanken” und Kanzeln in Kirchen sowie
Feuerherdumrahmungen in vielen Herrensitzen im Groningerland. Eine grobe
Mitarbeiterzahl dürfte ihm zur Seite gestanden haben, denn immer wieder sind
kleine Unterschiede in der Ausführung zu beobachten. Er arbeitete mit dem
Groninger Stadtbaumeister Allert Meijer zusammen, was auch sicherlich die
Vielzahl der Aufträge begründete.
Rudolph Garrels wird 1697 als Geselle Arp
Schnitgers beim Bau der Orgel in der Aa-Kerk in Groningen erwähnt, vorher sehen
wir ihn als Orgelbauersknecht bei Schnitger in Hamburg. In einer niederländischen
Untersuchung wird er auch als “Bouwmeester” (Baumeister) bezeichnet. Daraus
ist zu schließen, daß Garrels neben seiner Arbelt (eventuell als freier
Mittarbeiter) bei Schnitger als Unternehmer tätig war, und so zum Belspiel Jan
de Rijk mit Holzschnitzarbeiten betraut hat.
Von 1709 bis 1711 wurde unter seiner Leitung die
Schnitger-Orgel in der Martini-Kerk in Sneek (Provinz Friesland/Niederlande)
gebaut. 1713 erneuerte Garrels die Orgel in der “Hervormde Kerk” te Eelde (Provinz
Drenthe/Niederlande). Ab dieser Zeit wohnte Garrels in Groningen in der
Gelckingestraat. 1719 verstarb Arp Schnitger, und Garrels verzog nach Leiden und
später nach ’s Gravenhage (Den Haag). Ob und inwieweit der Tod seines
Meisters diesen Umzug beeinflußt hat, ist nicht nachvollziehbar.
Die Aufstellung einer Schnitger-Hausorgel im Hause
des damaligen deutschen Gesandten Gebhardt in Den Haag veranlaßte diesen, sich
für die Reparatur der Qrgel in der damaligen “Deutschen Gemeinde”, jetzt
Lutherische Kirche, durch Garrels einzusetzen. So blieb Rudolph Garrels
sicherlich in Den Haag hängen. Durch seine Verbindung mit dem Haager Organisten
Anneus Veldcamp erhielt Garrels Aufträge und nahm groben Anteil und Einfluß
auf den niederländisch/ holländischen Orgelbau. Er beherrschte sowohl die
norddeutsche, mehr in die Breite gezogene -, als auch die schlankere niederländisch/
holländische Prospektgestaltung. Mehrere Garrels-Orgeln zeigen ebenso eine
Mixtur aus beiden Stilrichtungen. Aufgrund seiner großen Kunst wurde Garrels in
zeitgenössischen niederländischen
Untersuchungen des öfteren als “de duitse-hollander” im Orgelbau und
daneben als “beeldhouwer van formaat” hervorgehoben.
Viele der von Rudolph Garrels gebauten Orgeln sind
im Laufe der Zeit zerstört oder zumindest in ihrer Substanz total verandert
worden. Aber die herausragenden Werke haben überdauert und werden in den
Niederlanden sorgsam gepflegt oder auf den ursprünglichen Stand zurückgebaut.
Nach
den Jahren seiner Arbeit in der Werkstatt Arp Schnitgers in Hamburg, bei
Reparaturarbeiten an der Orgel der Aa-Kerk in Groningen (1697), in Norden (1706,
angenommen) und in Sneek/Friesland übernahm Garrels 1713 eine Auftragsarbeit
Schnitgers mit dem Neubau einer Orgel in Eelde (Provinz Drenthe). Diese Orgel
wurde 1907 beim Neubau einer Orgel verkauft, ihren jetzigen Standort kennt man
nicht. 1715 erfolgte die Reparatur der Norder Schnitger-Orgel, und im selben
Jahr zusammen mit dem Danziger Radeker der Neubau einer Orgel in Zuidlaren (Provinz
Drenthe). 1717/1719 kam es mit Radeker zur Erweiterung der Orgel in der
lutherischen Kirche in Groningen. Während dieser Jahre hat Garrels sehr oft mit
den Söhnen Arp Schnitgers zusammengearbeitet.
In der “Hervormde Magnuskerk” in Anloo (Provinz
Drenthe) steht wohl die älteste erhalten gebliebene Garrels-Orgel, eine
Auftragsarbeit für Arp Schnitger oder Schnitger-Schüler. Hier war Radeker der “annehmer”
und Garrels der Ausführende. Der Preis: 1450 Carolus-Gulden. (Carolus-Gulden
in Gold und Silber mit dem Bild Kaiser Karls V.) waren als “Leitwährung” seinerzeit beliebt. Die Bezahlung erfolgte wahrscheinlich in deutschem
Geld, da aus dem Archiv hervorgeht, daß eine Geld-“transactie”
vorgenommen wurde.
Die
Orgel umfaßte 17 Stimmen (Register) auf zwei Manualen und ein angehängtes
Pedal. Im Laufe der Zeit hat auch diese Orgel sehr viele Änderungen erfahren.
Erst durch die gründliche Renovierung, an der unter anderem auch der Leeraner
Orgelbauer Jürgen Ahrend (1991) beteiligt war, ist der ursprüngliche Zustand
weitgehend wieder hergestellt worden.
Garrels erstes Werk in Den Haag war die Orgel
in der evangelisch-lutherischen Kirche im Jahre 1723/24, wobei es sich
allerdings um eine Erweiterung der vorhandenen Orgel handelte. In dem überlieferten
Zeugnis über diesen Orgelbau heibt es “…welke
verklaren dat al hetgeene hij tot
nog toe aan ons Orgel gemaakt heeft, soodanigh wel, en goet gemaakt is, dat het
van geen een meester orgelmaker beeter kan gemaakt worden...”
Unmittelbar anschließend wurde Garrels mit dem Bau
einer neuen Orgel in der Oud- Katholieke Kerk (Alte katholische
Kirche) in Den
Haag betraut. 1726 wurde sie geweiht, und Garrels erhielt für die weiteren
Unterhaltungsarbeiten 20 Gulden jährlich. Dieses Instrument hatte “twe
Hand-claviren en een aangehangen pedaal” mit insgesamt 17 Stimmen. 1908
war die Orgel in einem sehr schlechten Zustand, und die Gemeinde beschloß die
Anschaffung eines neuen Instruments. In der Hervormde Kerk in Vollenhove (Provinz
Overijssel) und in der Protestantenbond afdeling Zeist (Provinz Utrecht)
befinden sich Reste der Garrels-Orgel. Um alle in den drei Orgeln verstreute
Garrels-Orgel-Teile wieder zu vereinigen, ist eine ”stichting reconstructie
Garrels-Orgel in de Oud-Katholieke Kerk te 's Gravenhage" gegründet.
Noch in diesem Jahr sollen alle Teile wieder zu einer Orgel vereint werden.
Im
selben Jahr 1726 vollendete Garrels eine Orgel in der oben vermerkten kleinen
reformierten Kirche Vollenhove.
1725
stellte Garrels eine Orgel in der Reformierten Kirche in Maasland
(Provinz
Zuid-Holland) mit 18 Registern auf zwei Manualen und einem Pedalwerk fertig. Aus
dem Werkvertrag geht hervor, daß die ”gedeckte Pypen van loot en de andere
van spys 100 pont loot geformeert met dertig pont tin…” gefertigt sein
sollten. Es wurde also vom Kirchenvorstand bindend vorgeschrieben, welche
Legierung zu verwenden sei. Der Vertrag sieht den genauen Liefertermin und die
Bezahlung von 2300 Gulden vor. Ein Jahr der Unterhaltung der Orgel wurde ebenso
vertraglich vereinbart. Die Kirchengemeinde kam auf für den Blasebalg, die
Galerie und den Unterbau; ebenso sorgte sie für den Schiffstransport. Garrels
arbeitete derzeit in Leiden. Diese Orgel wurde 1945 durch einen Brand zerstört.
Der reiche Reeder und ”penningmeester van het
visserijcollege” Govert van Wijn, Maassluis (Provinz Zuid-Holland) wurde
durch den Orgelbau in Maasland sicherlich angeregt für die Nederlandse
Hervormde Kerk eine Garrels-Orgel zu stiften. Er stellte jedoch die Bedingung an
den Kirchenrat, die bisherige jährliche Abwahl eines ”kerkmeesters” in
eine zweijährige Periode zu ändern. Das grobzügige Geschenk ließ den
Kirchenvorstand nach seinen Wünschen beschließen. Der Junggeselle hat den
Orgelbau wahrscheinlich als seine eigene Sache betrachtet,
denn im Kirchenarchiv Maassluis ist über den Orgelbau so gut wie nichts
zu finden.
Am 18. Oktober 1729 erteilte van Wijn “de
Haagse Orgelbouwer Rudolf Garrels” den Auftrag zum Bau der Orgel. Die
Fertigstellung wurde am 4. Dezember 1732 (20 Jahre nach Vollendung der Norder
Kanzel) gefeiert. Der Text der Einweihungspredigt ergibt sich aus Psalm 150,
Vers 3 und 6. Dem Organisten hatte der Schenkende eine genaue Anweisung gegeben,
wie das Instrument zu pflegen sei und wann und zu welcher Gelegenheit die Orgel
zu spielen sei. Die Entlohnung des Organisten sollte von den Zinsen eines bei
der Bank von England festgelegten Betrages (“uit de rente”) erfolgen.
Bei der Einweihung der Orgel gab es ein extra
erstelles Gesangbuch, in dem es unter anderem heißt:
![]() |
“U naem zal nimmer lof ontbreken
(Eurem
Namen soll es nie an Lob mangeln
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Über
der Spieltafel steht das Gedicht: ”Dekt met laauw'ren 't grijzehaar Die dit spel gaf ziel en wezen”. 1732 / HKSchim
Schim
war ein Neffe von van Wijn. Eine größere Lobpreisung eines Künstlers über
die Jahrhunderte hinweg ist fast nicht denkbar.
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Bel einem Bombardement am 18. März 1943 wurde die Orgel
selbst nicht beschädigt, wohl aber das Kirchengebäude. Durch die Einwirkung
von Wind und Wetter hat die Orgel dann sehr gelitten; nach Wiederherstellung der
Kirche 1947 konnte sie beschränkt wieder gespielt werden. Anläßlich einer großen
Kirchenrestaurierung wurde die Orgel auf den ursprünglichen Zustand nach dem
Besteck von Garrels gebracht.
1733 finden wir Rudolph Garrels als Orgelbauer in Leiden (Provinz Zuid-Holland).
Hier arbeitete er die kleine Chororgel der Pieterskerk (Pieter Jansson de Swart
1560) in eine größere in der Marekerk ein, da ”het Orgel tegenwoordig
voor een Kerk vol Menschen te zwak van geluid is…” Die Orgel umfaßte
nach dem Umbeziehungsweise Neubau zwei Manuale mit 22 Registern und einem Pedal
mit drei Registern. Die Kosten beliefen sich auf 1500 Gulden für den Orgelbauer,
dazu kamen die Kosten für Arbeiten der Holzschnitzer und für
Materiallieferungen. Aus dem Vertrag geht hervor: ”…zoolang ik hier te
Leijden aan dit orgel werk, een blaasbalgtrapper buiten mijne kosten, alsmede
vrij vuur, licht en orgelmakerskamer”.
Der Vertrag für diesen Auftrag ist fast vollständig erhalten geblieben und
gibt Aufschluß über viele Kleinigkeiten, die bei einem derartigen Um- oder
Neubau einer Orgel anfielen. Er datiert vom 26. Oktober 1733.
Beide Orgeln, in Maassluis und in Leiden, zeigen die
typische niederländisch/ holländische Bauform. Kurz nach der Fertigstellung
der Leidener Orgel erhielt Garrels den Auftrag, eine Reparatur der Orgel in der
" St. Janskerk" in Schiedam (bei Rotterdam) durchzuführen. 1498 wird
für diese Kirche bereits eine Orgel erwähnt, die jedoch im Laufe der
Zeit mehreren Umbauten unterworfen wurde. Bei der ”grote reparatie” kann
es sich durchaus auch um einen Neubau handeln, da dieser Begriff in den
Niederlanden einen Neubau unter Verwendung alter Teile einbezieht. 1915/1916 ”…werd
een nieuw, modern Instrument geplaatst achter het 16e- en 17e eeuwse orgelfront.
Het is ongeloofelijk, maar waar!” (“…wird ein modernes Instrument
hinter der Orgelfront aus dem 16./17. Jahrhundert eingebaut. Unglaublich aber
wahr!")
In Purmerend erbaute Garrels 1737/42 eine Orgel mit
39 Stimmen auf drei Manualen und einem Pedalwerk. Die Orgel zeigt sowohl niederländische/
holländische Merkmale als auch solche aus der Schnitger-Schule. Auch hier hat
Garrels sehr bedeutende Teile der Vorgängerorgel wiederverwendet. Diese Orgel
ist gröbtenteils erhalten. Fast zeitgleich vollendete Garrels in der Utrechter
Jacobikerk einen Umbau der Orgel mit einem neuen Oberwerk und einem Pedal.
1749, also kurz vor seinem Tode erstellte Garrels die
Orgel in der Nederlandse Hervormde Kerk in Klundert
(Provinz Nordbrabant). Diese
Orgel hatte neun Register bei einem Manual und einem Pedalwerk. Am 8. April 1750
wurde die Orgel geweiht. Es muß ein gebührendes Fest für die Gemeinde gewesen
ein, denn ”1½ Aam Wijn” kommen
in der Abrechnung vor, und das sind immerhin 225 Liter. Am 4. November 1944
wurden Kirche und Orgel Opfer von Kriegshandlungen.
Im 18. Jahrhundert zog es viele deutsche Orgelbauer in die
Niederlande. Eine Erklärung hierfür kann nur sein, daß im damaligen
Deutschland die Orgelbauer sehr straff organisiert waren und die Arbeit somit
gewissen Einschränkungen unterlag. In den Niederlanden dagegen war die freie
Arbeit der Orgelbauer möglich, was somit zu einer großen Leistungssteigerung
der Künstler führte. So haben mehrere Gesellenkollegen Garrels
aus Schnitgers Werkstatt zwar Auftragsarbeiten erledigt, aber selbständige
Arbeiten so gut wie nie erledigt.
Wenn auch in Deutschland fast vergessen, wird Rudolph
Garrels früher und auch jetzt noch ob seiner Arbeit gewürdigt und gelobt. “Garrels was sonder Twijfel de
belangrijkste Orgelmaker die sich in Den Haag gevestigt heeft.”, oder in
Maassluis: ”…een specimen
van de grote Nederlandse orgelcultuur van Noordduitse herkomst uit het begin van
de 18e eeuw. Het (die Orgel) kan op één lijn worden gesteld met de beroemde
Orgels in Amsterdam, Haarlem, Alkmaar, Zwolle en Groningen”.
Seine finanzielle Sicherheit und die Verbundenheit mit
seiner Familie in der ost- friesischen Heimat läßt sich aus dem Legat für die
Kinder seiner Schwester ablesen. Eigene Kinder scheinen ihm versagt geblieben zu
sein. Aber seine “Orgel-Kinder” legen immer noch Zeugnis seiner groben
Kunstfertigkeit ab.
Mit Dank an Angelika und Reinhard Ruge, Norden; Dr. Luise Hasbargen, Norden;
Martin Panman, Anloo (NL); Frau H. Hoeve-Kuipers, Paterswolde (NL); A. C.
Langedijk, Den Haag (NL); J. Knook, Klundert (NL); Dr. J. W. Sprossen, 's
Gravenhage (NL). Quellen: Kahnt + Knoor: Alte Maße,
Münzen u. Gewichte, Ostfr. Landschaft; G. Hellwig: Lexikon der Maße u. Gewichte; Groninger Museum: Allert Meijer, Jan de
Rijk; Franz Talstra: Langs Nederlands Orgels, Groningen, Friesland, Drenthe; Jan Jongepier: Langs Nederlands Orgels, Noord
Holland, Zuid Holland, Utrecht; Stichting: Muziek in Anloo, Annen; Gemeente
Schiedam; Kerkvoogdij der Gemeente Sneek; Archief der Gemeente Maassluis;
Gemeentearchief Den Haag.
Versie 9 mei 2005